„Das unerschrockene Wort“: Engagement gegen Rechtsextremismus geehrt
Heinz J. Ostermann
Nach dem Einzug der AfD ins Berliner Abgeordnetenhaus positionierte sich Heinz J. Ostermann zusammen mit anderen unabhängigen Neuköllner Buchhandlungen im Rahmen kritischer Diskussionsveranstaltungen gegen den aufkommenden Rechtspopulismus. Trotz darauffolgender Schaufensterzerstörung sowie Brandanschlägen ließ er sich nicht einschüchtern, sondern gab den Anstoß zur Gründung der Neuköllner Initiative „Rudow empört sich. Gemeinsam für Respekt und Vielfalt“. Mit dieser Initiative und seiner Buchhandlung Leporello als wesentlichem Anker setzt er sich seit 2018 beständig und mit unterschiedlichsten Formaten für demokratische Werte, gegenseitigen Respekt, Toleranz und Vielfalt ein. In Konsequenz dieses Engagements steht seine Buchhandlung seit Jahren unter Polizeischutz.
Gemeinsam mit anderen Opfern von Brandanschlägen im Rahmen der Neuköllner Anschlagsserie, dem sogenannten Neukölln-Komplex, gelang es ihm, zur Aufklärung einen Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus durchzusetzen. Das Motto von Heinz J. Ostermann lautet: „Wir alle sind aufgerufen für unsere Demokratie einzustehen und diese zu verteidigen.“
Prof. Dr. Christian Wagner
Seit Jahren engagiert sich Prof. Dr. Jens-Christian Wagner gegen „Fake-History“ und „geschichtsrevisionistische Legendenbildung“, gegen die Verharmlosung des Nationalsozialismus und Holocausts sowie die Forderung der AfD nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“. Er entlarvt die Losung von AfD, Reichsbürgern, „Montagsspaziergängern“ und Co. nach einer „Beendigung des Schuldkults“ als Angriff auf die Arbeit der Gedenkstätten und setzt sich unermüdlich gegen einen „erinnerungspolitischen Klimawandel“ sowie insgesamt gegen die Diskursverschiebung nach rechts ein.
Dafür erlebt Prof. Dr. Jens-Christian Wagner Anfeindungen, Pöbeleien, Klagen, Hassmails und Drohanrufe bis hin zu Morddrohungen. Auf die Frage, wie er angesichts der Drohungen gegen ihn weitermacht, antwortet er: „Indem wir uns nicht einschüchtern lassen. Das wollen diese Leute ja. Und diesen Gefallen wollen wir ihnen nicht tun.“
Hintergrundinformationen zum Preis „Das unerschrockene Wort“
Der Preis wird alle 2 Jahre im Rahmen eines Festaktes in einer der Stifterstädte verliehen. Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury, der neben den Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern der Stifterstädte auch 6 Vertretende des öffentlichen Lebens angehören. Die Bürgerinnen und Bürger der stiftenden Lutherstädte können auch Vorschläge für die Preisvergabe unterbreiten.
Die Grundsätze zur Verleihung des Preises regelt ein Preisstatut. Darin heißt es:
„Der Preis soll verliehen werden an Frauen und Männer, die in einer besonderen Situation oder bei einem konkreten Anlass, aber auch beispielhaft über einen größeren Zeitraum hinweg, in Wort und Tat für die Gesellschaft, die Gemeinde, den Staat bedeutsame Aussagen gemacht und gegenüber Widerständen vertreten haben. Dabei soll es weniger um eine Zustandsbeschreibung gehen als um wegweisende, zukunftsgerichtete Überlegungen. Bei der Vergabe des Preises sollen parteipolitische und konfessionelle Gesichtspunkte keine Rolle spielen. Auch allgemeine Unzufriedenheit, querulatorische oder eigennützige Motive oder Demagogie erfüllen nicht das Kriterium des ‚unerschrockenen Wortes’. Die Preisträger können aus der Bundesrepublik Deutschland, aber auch aus dem Ausland kommen.“
Bisherige Preistragende
2023 wurde die afghanische Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari mit dem Preis geehrt.
- 2021
- weißrussische Bürgerrechtlerinnen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa
- 2019
- Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş
- 2017
- Ehepaare Horst und Birgit Lohmeyer aus Jamel (Mecklenburg-Vorpommern) sowie Markus und Susanna Nierth ausTröglitz (Sachsen-Anhalt)
- 2015
- syrischer Rechtsanwalt Mazen Darwish und das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit
- 2013
- Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“
- 2011
- russischer Journalist Dmitrij Muratow und die gesamte Redaktion seiner Tageszeitung „Nowaja Gaseta“
- 2009
- Politologin und Journalistin Andrea Röpke
- 2007
- türkischstämmige Muslimin Emel Abidin-Algan
- 2005
- Liedermacher Stephan Krawczyk
- 2003
- Theologin Gertraud Knoll aus Österreich
- 2001
- Polizeipräsidentin von Eberswalde, Ute Leichsenring
- 1999
- Theologe Prof. Dr. Hans Küng
- 1996
- Philosoph und Theologe Prof. Dr. Richard Schröder